Voll Fett

Der Schauermann muß Nerven gehabt haben, wie die Drahtseile, die er gerade fettet.

Diese Drahtseile hielten auf einem Elevator die Ausleger auf Höhe, an denen die Saugrüssel zum Löschen befestigt waren und mussten augenscheinlich und wohl regelmässig gegen Korrosion gefettet werden.

A029.39 1950

Zwischen Himmel und Hafen hing der Bootsmannstuhl an einem Schäkel, der über ein solches Auslegerseil lief. An einem weiteren Tampen aus dem Topp wurde er heruntergelassen und wieder hochgezogen. Der Schauermann saß dabei – heute undenkbar – ungesichert auf dem Brett des Stuhls, mußte die Seile fetten und bei all den Bewegungen natürlich auf sein Gleichgewicht achten.

Diese Aufnahme ist 1950 im Toppgerüst eines Elevators enstanden, der vermutlich zur Überholung im Binnenhafen lag. Mein Vater ist dabei auch nicht ganz ohne Mut gewesen, zumindest aber schwindelfrei. Drohnen gab es noch nicht, also ist er selber hoch geklettert.

Ich habe dieses Bild, bevor ich es als Negativ entdeckt hatte,  noch nirgends veröffentlicht und noch nicht einmal zu Hause vergrössert gesehen. Was ich doch bei solch einem Motiv erwarten würde. Und das hat vermutlich diesen Grund: der Film ist verdreckt. Genauer gesagt: es sind lauter Sprenkel irgendeiner Flüssigkeit (Fett?) auf den Bildern. Diese zu entfernen hätte vermutlich die Zerstörung der Negative bedeutet. Dürfte mein Vater gedacht haben. Und geflucht haben dürfte er auch.

Nach dem Einscannen des Negativs konnte ich die Sprenkel via Bildberarbeitung weitestgehenst wegstempeln. Ein paar sind noch auf Unterarm und Fetteimer geblieben. Das schadet dem Bild aber nicht.

Mittlerweile ist dieses Bild eines meiner Lieblingsbilder aus dem Bestand. Unabhängig von der aufsteigenden Diagonalen: diese Situation ist aus heutiger Sicht nicht alltäglich und bei genauem Hinsehen beginnt man die Anspannung und Konzentration des Arbeiters selber zu spüren.

Emder Tatort

A040.41A - Dreharbeiten zum Film "Brücke zur Welt" (1950)

A040.41A – Dreharbeiten zum Film „Brücke zur Welt“ (1950)

A040.39A - Dreharbeiten zum Film "Brücke zur Welt" (1950)

A040.39A – Dreharbeiten zum Film „Brücke zur Welt“ (1950)

Die Bilder legen es nahe: es hat wohl doch schon mal einen Tatort aus Emden gegeben. Der Kommissar wartet ungeduldig auf das Zutageholen eines düsteren Geheimnisses. Natürlich mit den Mitteln die ein Hafen wie der von Emden so bietet.

Meine Mittel zum Ans-Licht-Befördern diverser Geheimnisse sind etwas kleinerer Natur. Aber gefühlt war es die gleiche zu bewältigende Menge. Mindestens. Sämtliche Negativ- und Positivfilme lagern jetzt in neuen Hüllen und Ordnern und liegen als Kontaktabzüge digital inventarisiert vor.
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Fofftein

A914.62

A914.62

Die ersten tausend Filme sind in neue Hüllen und Ordner gepackt und liegen digital als Kontaktabzüge vor. Neunhundert Kleinbildfilme habe ich noch vor mir. Knapp sechs Stunden habe ich für hundert Filme benötigt. Also liegen dafür noch 54 Stunden vor mir.

A910.56

A910.56

A914.26

A914.26

Einfach Arbeit

A021.14-2

Ich hatte vor kurzem in anderem Zusammenhang von einem systematischen Ausschalten kritischer Korrektive gelesen. Das ist wohl so eine Art geistiges Bordwerkzeug, welches dabei helfen kann Gedanken etwas strömungsgünstiger zu gestalten. Ich versuche es gerade verzweifelt bei mir anzuwenden, um platte Wortspielereien zu umschiffen.

Denn das Warten hat ein Ende. Die Ware ist im Zielhafen angekommen: tausend archivfeste Klarsicht-Filmhüllen für die ersten tausend Filme und die dazugehörige Anzahl Archivordnerboxen. Mein neues lichtstärkeres Objektiv für die Kontaktabzüge ist letzten Donnerstag verschifft worden. Letzte Woche ist zudem meine Freistellung für diesen Monat genehmigt worden. Am Freitag Nachmittag bin ich kurz in Emden gewesen und habe die Negativfilme verladen und nach Hamburg verholt. Ich habe jetzt 4 Wochen Zeit einen möglichst großen Teil des Bestandes ins Digitale zu hieven und zu erschließen. Wobei ich mich darauf konzentrieren werde, zuerst den physikalischen und zugleich stupidesten Teil der Arbeit auszuführen: das Umlagern der Filme in archivfeste Filmhüllen. Ich rechne mit 20 Filmen pro Stunde (die Aufwände sind von Film zu Film unterschiedlich) und komme so rechnerisch auf 12 Tage bei 8 Stunden täglicher Umhüllerei. Ich habe mir auch ganz fest und ironiefrei vorgenommen, morgens um sechs Uhr aufzustehn. Was mir als passioniertem Bettflüchter allerdings auch nicht so schwer fällt.

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Die ersten Bilder

Galerie

Diese Galerie enthält 3 Fotos.

Dies sind die ersten beiden Bilder des ersten registrierten Filmes (A001). Aufgenommen im Juli 1949 im Emder Hafen. Es sind vermutlich nicht die ersten Bilder, die mein Vater gemacht hat. Denn zum Ausprobieren hätte er vermutlich nicht die Belegschaft eines … Weiterlesen

Am Anfang

Das ganze Vorhaben dient natürlich einem Zweck: die vielen wunderbaren Bilder, die mein Vater geschaffen und hinterlassen hat, überhaupt erst einmal zugänglich zu machen.

Es ist aufgrund der Menge der Artefakte derzeit nur schwer möglich ein Bild aus dem Bestand heraus zu reproduzieren, denn Positive bzw. Motive müssen zuerst den entsprechenden Negativen zugeordnet werden können. Es gibt zwar zwei verschiedene Negativregistrierungen – eine von meiner Mutter auf Filme  und Themen und eine von meinem Vater auf einzelne Bilder und  Motive bezogen -, aber die umfassen leider nicht den gesamten Bestand. Letztlich macht es das Vorhaben aber nur noch spannender.
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Schöne Feiertage

A627-34 RAW-Bearbeitet

Danke für die guten Wünsche zum Fotoblog. Diese Stärkung kann ich gut gebrauchen.

Das obige Foto fand ich auf die schnelle in einem Ordner mit Negativfilmen zum Winter 1957/58.

Ich wünsche allen ein paar sehr schöne Feiertage und einen guten Rutsch!